Die Schäden durch IT-Fehlfunktionen können verschiedenen Kategorien zugeordnet werden. Am auffälligsten ist der Verlust der Verfügbarkeit: Läuft ein IT-System nicht, können keine Geldtransaktionen durchgeführt werden, Online-Bestellungen sind unmöglich, Produktionsprozesse stehen still. Häufig diskutiert ist auch der Verlust der Vertraulichkeit von Daten: Jeder Bürger weiß um die Notwendigkeit, seine personenbezogenen Daten vertraulich zu halten, jedes Unternehmen weiß, dass firmeninterne Daten über Umsatz, Marketing, Forschung und Entwicklung die Konkurrenz interessieren. Aber auch der Verlust der Integrität (Korrektheit von Daten) kann schwerwiegende Folgen haben: gefälschte oder verfälschte Daten führen zu Fehlbuchungen, Produktionsprozesse stoppen wegen fehlerhafter Lieferungen, falsche Entwicklungs- und Planungsdaten führen zu fehlerhaften Produkten. Seit einigen Jahren gewinnt auch der Verlust der Authentizität als ein Teilbereich der Integrität an Bedeutung: Daten werden einer falschen Person zugeordnet. Beispielsweise können Zahlungsanweisungen oder Bestellungen zu Lasten einer dritten Person verarbeitet werden, ungesicherte digitale Willenserklärungen können falschen Personen zugerechnet werden, die „digitale Identität“ wird gefälscht.
Dabei wird diese Abhängigkeit von der Informationstechnik in Zukunft noch weiter zunehmen. Besonders erwähnenswert sind dabei folgende Entwicklungen:
Steigender Vernetzungsgrad:
IT-Systeme arbeiten heutzutage nicht mehr isoliert voneinander, sondern werden immer stärker vernetzt. Die Vernetzung ermöglicht es, auf gemeinsame Datenbestände zuzugreifen und intensive Formen der Kooperation über geographische Grenzen hinweg zu nutzen. Damit entsteht nicht nur eine Abhängigkeit von den einzelnen IT-Systemen, sondern in starkem Maße auch von den Datennetzen. Sicherheitsmängel eines IT-Systems können aber dadurch schnell globale Auswirkungen haben.
IT-Verbreitung und Durchdringung:
Immer mehr Bereiche werden durch Informationstechnik unterstützt, häufig, ohne dass dies auffällt. Die erforderliche Hardware wird zunehmend kleiner und günstiger, so dass kleine und kleinste IT-Einheiten in alle Bereiche des Alltags integriert werden können. So gibt es beispielsweise Jacken mit integrierten PDAs, RFIDs zur Steuerung von Besucher- oder Warenströmen, IT-gestützte Sensorik in Autos, um automatisch auf veränderte Umgebungsverhältnisse reagieren zu können. Die Kommunikation der verschiedenen IT-Komponenten untereinander findet dabei zunehmend drahtlos statt.
Verschwinden der Netzgrenzen:
Bis vor kurzem ließen sich IT-Anwendungen ganz klar auf die IT-Systeme und die Kommunikationsstrecken dazwischen begrenzen. Ebenso ließ sich sagen, an welchen Standorten und bei welcher Institution diese angesiedelt waren. Durch Globalisierung und die Zunahme von drahtloser und spontaner Kommunikation verschwinden diese Grenzen zunehmend.
Angriffe kommen schneller:
Die beste Vorbeugung gegen Computer-Viren, Würmer oder andere Angriffe auf IT-Systeme ist die frühzeitige Information über Sicherheitslücken und deren Beseitigung, z. B. durch Einspielen von Patches und Updates. Mittlerweile sinkt allerdings die Zeitspanne zwischen dem Bekanntwerden einer Sicherheitslücke und den ersten gezielten Massenangriffen darauf, so dass es immer wichtiger wird, ein gut aufgestelltes IT-Sicherheitsmanagement und Warnsystem zu haben.
Angesichts der vorgestellten Gefährdungspotentiale und der steigenden Abhängigkeit stellen sich damit für jede Institution, sei es ein Unternehmen oder eine Behörde, bezüglich IT-Sicherheit mehrere zentrale Fragen:
- Wie sicher ist die Informationstechnik einer Institution?
- Welche IT-Sicherheitsmaßnahmen müssen ergriffen werden?
- Wie müssen diese Maßnahmen konkret umgesetzt werden?
- Wie hält bzw. verbessert eine Institution das erreichte Sicherheitsnveau?
- Wie sicher ist die IT anderer Unternehmen, mit denen Datenaustausch stattfindet?
Bei der Suche nach Antworten auf diese Fragen ist zu beachten, dass IT-Sicherheit nicht alleine eine technische Fragestellung ist. Um ein ausreichend sicheres IT-System betreiben zu können, sind neben den technischen auch organisatorische, personelle und baulich-infrastrukturelle Maßnahmen zu realisieren und insbesondere ist ein IT-Sicherheitsmanagement einzuführen, das die Aufgaben zur IT-Sicherheit konzipiert, koordiniert und überwacht.
Vergleicht man jetzt die IT-Systeme aller Institutionen im Hinblick auf obige Fragen, so kristallisiert sich eine besondere Gruppe von IT-Systemen heraus. Die IT-Systeme in dieser Gruppe lassen sich wie folgt charakterisieren:
- Es sind typische IT-Systeme, d. h. diese Systeme sind keine Individuallösungen, sondern sie sind weit verbreitet im Einsatz.
- Der Schutzbedarf der IT-Systeme bezüglich Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit liegt im Rahmen des Normalmaßes.
- Zum sicheren Betrieb der IT-Systeme sind Standard-Sicherheitsmaßnahmen aus den Bereichen Infrastruktur, Organisation, Personal, Technik und Notfallvorsorge erforderlich.
Gelingt es, für diese Gruppe der „typischen“ IT-Systeme den gemeinsamen Nenner aller Sicherheitsmaßnahmen, die Standard-Sicherheitsmaßnahmen, zu beschreiben, so würde dies die Beantwortung obiger Fragen für diese „typischen“ IT-Systeme erheblich erleichtern. IT-Systeme, die außerhalb dieser Gruppe liegen, seien es seltenere Individualsysteme oder IT-Systeme mit sehr hohem Schutzbedarf, können sich dann zwar an den Standard-Sicherheitsmaßnahmen orientieren, bedürfen letztlich aber einer individuellen Betrachtung.